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„Diese Partnerschaft ist keine Einbahnstraße“

Im Gespräch
Weihbischof Paul Reder blickt auf seinen Besuch im tansanischen Partnerbistum Mbinga – Bewegende Begegnungen mit den Menschen – „Sehr lebendige Kirche unter ganz anderen Voraussetzungen“

Mbinga/Würzburg (POW) Weihbischof Paul Reder hat zum ersten Mal das Würzburger Partnerbistum Mbinga in Tansania besucht. Von seiner Ankunft am Flughafen von Songea am Freitag, 31. Juli, bis zu seinem Abflug am Montag, 10. August, besuchte er Pfarreien und Institutionen im Partnerbistum, sprach mit Gläubigen und feierte mit ihnen bedeutende Anlässe wie zum Beispiel die Weihe von drei Diakonen zu Priestern. Im POW-Interview zieht er ein erstes Fazit der Reise.

POW: Herr Weihbischof, Sie waren zum ersten Mal im Partnerbistum Mbinga. Welche Erinnerungen kommen Ihnen spontan in den Kopf?

Weihbischof Paul Reder: Mein erster bleibender Eindruck ist von der Erfahrung großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft geprägt. Bei vielen Begegnungen hat sich Fröhlichkeitsenergie positiv „entladen“.

POW: Wie haben Sie die Menschen und ihre Art, den Glauben zu feiern, erlebt?

Weihbischof Reder: Da gibt es einerseits viele Gemeinsamkeiten. Die bekannte Struktur einer gemeinsamen Liturgie in der römisch-katholischen Kirche ist hier eine große Hilfe. Auch wenn die Messe auf Kisuaheli gefeiert wird, ist der Gottesdienst dadurch nicht fremd. Andererseits gibt es auch kulturelle Unterschiede. Zum Evangelium etwa setzt sich die Gemeinde, weil es in der tansanischen Kultur Ausdruck der Ehrerbietung ist, sich zu setzen, wenn ein höher Gestellter spricht. Das wird auf die Verkündigung des Evangeliums im Gottesdienst übertragen: Wenn der Herr im Wort des Evangeliums zur Gemeinde spricht, setzen sich alle.

POW: Gibt es Momente oder Begegnungen, die Sie besonders beeindruckt oder berührt haben?

Weihbischof Reder: Wirklich zu Herzen gehend fand ich die Intensität des Gesangs beim Gottesdienst, der auch durch Bewegung unterstützt wird. Was sich dadurch ereignen kann, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Berührt haben mich auch die Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen, für die das Heranwachsen unter den gegebenen Rahmenbedingungen sehr herausfordernd ist. Dennoch gibt es viel Engagement und ein Jugendapostolat, das von Jugendlichen selbst getragen wird. Auch fand ich es sehr bewegend, einzelne Menschen kennenzulernen, die als Ordensschwestern, Priester, im medizinischen Bereich, als Lehrkräfte unter – aus unserer Sicht – kaum zumutbaren Lebens- und Arbeitsbedingungen teilweise schon seit Jahrzehnten in Tansania treu ihre Berufung leben.

POW: Sie haben in Mbinga gleich drei Männer zu Priestern geweiht. Dennoch gibt es vergleichsweise wenige Priester für eine große Fläche. Was können wir in Würzburg von der Kirche dort für die Zukunft lernen?

Weihbischof Reder: Einsatzbereitschaft, Erfindungsreichtum, Entwicklungsfreude. Ich habe den Eindruck, hier ist allen bewusst: Wenn wir es nicht gemeinsam anpacken, geht nichts vorwärts. Ein lebendiger Glaube ist dabei eine Quelle der Kraft und Motivation. Beeindruckend ist für mich auch, welche Rolle Katechisten hier für die Entwicklung der Gemeinden spielen und wie sich Pfarreien und Filialen in vielen kleinen christlichen Gemeinschaften mit dem Dienst der Priester koordiniert organisieren.

POW: Was nehmen Sie für Ihre Arbeit mit aus Tansania?

Weihbischof Reder: Da muss ich meine Gedanken erst noch ordnen. Die Eindrücke waren zum Teil so überwältigend, dass ich eine Zeit zum Nachdenken und Nachbeten brauchen werde, um die eigenen Arbeitsfelder im Licht der vielfältigen Erfahrungen genauer anzuschauen.

Klar ist für mich aber jetzt schon, dass diese Partnerschaft keine Einbahnstraße ist. Die Erfahrungen, Kirche unter ganz anderen Voraussetzungen als sehr lebendig und mit einer positiven Selbstwahrnehmung zu erleben, die missionarische Strahlkraft hat, ist ein wichtiges Lernfeld.

POW: Wenn Sie einen Wunsch für die Partnerschaft zwischen Mbinga und Würzburg frei hätten, welcher wäre das?

Weihbischof Reder: Dass in jedem unserer Pastoralen Räume die Verbindung zu unseren Partnerdiözesen positiv besetzt wird und nachhaltig auf die Agenda kommt – über Kirchengemeinden, Jugendgruppen, Kindergärten, Vereine und Verbände, Privatpersonen und so weiter. Katholische Sozialraumorientierung betrifft nicht nur den Nahbereich. Wachstum im Glauben geht nur im Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Interview: Kerstin Schmeiser-Weiß (POW)

(3326/0790; E-Mail voraus)

Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet

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