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Glaube und Leben gehören hier zusammen

Queremos aprender tocar flauta“ – „Wir möchten Flöte spielen lernen“ – die beiden acht- und zehnjährigen Mädchen aus dem kleinen Dorf Juruti Velho im Bistum Óbidos können ihre erste Flötenstunde kaum erwarten. Sie kommen in den Genuss des "Freiwilligen"-Engagements aus dem Bistum Würzburg.

Sie holen ihre Lehrerin Hannah Nagl direkt zu Hause ab. Stolz begleiten sie sie zum kleinen Pfarrsaal, in dem der Unterricht stattfindet. Rein optisch fällt Hannah in dieser Region sofort auf – ihre rotblonden Haare stechen hervor und obwohl sie schon fast fünf Monate hier lebt, auch ihre relativ weiße Haut – im Vergleich zur kaffeebraunen der Menschen im brasilianischen Amazonasgebiet.

Kein Wunder, die 19-jährige Abiturientin stammt aus Gaukönigshofen und arbeitet über das Programm weltwärts des BDKJ und die Diözesanstelle Mission, Entwicklung, Frieden in der Kinder- und Jugendarbeit in Juruti Velho. Für den Flötenunterricht hat sie sogar eine einheimische „Assistentin", die 18-jährige Joseli, die bei anderen Freiwilligen schon das Blockflöte spielen gelernt hat. Liebevoll und auch etwas ehrfürchtig betrachten die fünf Mädchen, die zur Flötenstunde gekommen sind, die neuen weißen Flöten.

Ein Projekt des deutschen katholischen Missionsrates (DKMR) hat die Instrumente für den Unterricht zur Verfügung gestellt. Noch etwas zaghaft lauschen die kleinen Mädchen ihren ersten Flötentönen. Hannah und Joseli loben und motivieren ihre Schülerinnen „muito bem" – sehr gut! Das freut die kleinen Brasilianerinnen sehr, denn in den armen Familien, aus denen sie kommen, ist es undenkbar, dass ein Kind ein Musikinstrument erlernen kann. Durch Hannah haben sie nun diese Chance bekommen. Doch die junge Frau unterrichtet nicht nur Blockflöte in Juruti Velho.

Gemeinsam mit ihrem Freiwilligen-Kollegen Felix Derleth aus Bad Kissingen fährt sie in einem kleinen Boot mit Außenbordmotor, das Felix inzwischen sogar als Bootsführer sicher steuern kann, wöchentlich einmal in die kleinen Gemeinden Maravilha und Açai und hält dort eine Spielstunde mit den Kindern. Hannah bringt außerdem ihre Kenntnisse ein, die sie sich in einer Zirkus-AG am Gymnasium angeeignet hat. „Jonglieren mit drei Bällen – das können inzwischen schon viele Kinder", sagt sie und lacht. Felix gibt seine Kenntnisse aus jahrelangen Klavierstunden im Keyboardunterricht weiter, und bietet, ebenso wie Hannah, Englisch- und Deutschunterricht für Kinder und Jugendliche an.
Doch das sind noch lange nicht alle Aktivitäten der beiden Freiwilligen aus dem Bistum Würzburg. Da beide aus der kirchlichen Jugendarbeit kommen, ist es für sie selbstverständlich, dass sie beim sonntäglichen Wortgottesdienst der Gemeinde aktiv beteiligt sind. „Wenn die Kinder das Evangelium auch noch spielen, dann wird es einfach anschaulicher und die Kinder vergessen das nicht so schnell", meint Felix.

Möglich wurden diese beiden Freiwilligenstellen durch Schwester Brunhilde Henneberger (Randersacker) und Schwester Joanita Sell (Hammelburg), die beide aus dem Bistum Würzburg stammen und mit ihren brasilianischen Mitschwestern, Schwester Deca und Schwester Diva, in Juruti Velho leben. Hannah und Felix sind sich einig: „Mit den Schwestern klappt alles prima".

Im Vorfeld des Weltjugendtages in Rio freuen sich die zwei Heranwachsenden sehr auf den Besuch einer zehnköpfigen KLJB-Gruppe aus dem Bistum Würzburg. Gemeinsam mit den beiden Jugendleitern Mônica und Franciney haben schon die ersten Planungstreffen stattgefunden. „Die Würzburger sollen sich ja schließlich hier wohl fühlen", sagt Hannah. „Sie werden Juruti Velho lieben und nicht mehr weg wollen", ergänzt Mônica und lacht verschmitzt, denn sie weiß, wie wunderbar ihr Heimatort direkt am See von Juruti Velho liegt.

Rund vier „Schnellbootstunden" von Juruti Velho entfernt, in der Bischofsstadt Óbidos sind zwei weitere Freiwillige aus dem Bistum Würzburg in der Jugendarbeit tätig, Marius Amrhein aus Zellingen und Benedikt Glaser aus Geroldshausen. Beide engagieren sich im Jugend- und Kulturzentrum „Cultura pela paz" – Kultur für den Frieden. Dieses Zentrum wurde von Bischof Bernardo Bahlmann in dem armen Stadtviertel São Francisco gegründet, um die Jugendlichen von der Straße zu holen.

Gleichzeitig dient es als Präventionsprogramm gegen Gewalt und Drogen. Inzwischen sind schon über 200 Kinder und Jugendliche in die verschiedenen Kurse dieses Zentrums eingeschrieben. So ist Marius hier ein beliebter Gitarren-, und Benedikt ein gefragter Keyboardlehrer. Beide geben Kurse in Deutsch und Englisch. In der Band des Zentrums spielt Marius Posaune und Benedikt Saxophon.
Mit großer Freude haben sich beide in der Fastenzeit bei einem ganz besonderen Projekt des Zentrums engagiert. Gemeinsam mit 70 Kindern und Jugendlichen probten sie viermal wöchentlich die Darstellung der „via sacra", der Lebens- und Leidensgeschichte Jesu bis hin zur Auferstehung. Mit viel Einfühlungsvermögen führen die Leiter des Zentrums die jungen Menschen an dieses „Heilige Spiel" heran. „Wenn wir proben, bekomme ich immer wieder eine Gänsehaut", gesteht Benedikt. Die rund dreistündige Aufführung der „via sacra", in den Straßen des armen Stadtviertels São Francisco in Óbidos geht unter die Haut und zieht die rund eintausend Menschen, die gekommen sind, vollkommen in ihren Bann.

Auch die beiden Würzburger spielen mit großem Engagement die Rollen, die sie sich ausgesucht haben: Als Judas überragt Benedikt alle anderen Jünger, und Marius spricht als Pilatus mit großem Ernst die Worte: „Ich finde keine Schuld an diesem Menschen". Eine tiefe Erfahrung, die beide wohl ihr ganzes Leben nicht vergessen werden.

Bischof Bahlmann ist sehr zufrieden, dass sich die zwei „Jungs" aus dem Bistum Würzburg so engagiert in Óbidos einbringen. Das Feedback der jungen Leute freut auch ihn: „Wir haben hier ganz tolle Freiwilligenstellen", darüber sind sich Marius und Benedikt mit Hannah und Felix ganz einig.

Mit den beiden Verantwortlichen für den Weltjugendtag im Bistum Óbidos, Schwester Ivaldete und Padre Ronaldo erwartet Bischof Bahlmann die etwa 60 jungen Leute, die Begleitpersonen und Bischof Friedhelm aus Würzburg. Und die Jugendlichen aus Óbidos sind darauf gut vorbereitet: Ein Treffen im Dezember 2012, zu dem 800 junge Leute aus dem ganzen Bistum kamen, hat sie in das Thema des WJT „Geht hin und macht alle Völker zu meinen Jüngern" eingeführt.

Am Wochenende des Palmsonntags werden 50 Jugendvertreter aus den sieben Pfarreien des Bistums mit Glaubensthemen anhand des Jugendkatechismus „Youcat" vertraut gemacht. Auch Felix und Hannah sind mit den Jugendlichen aus Juruti Velho im Linienschiff mit Hängematten angereist und studieren mit Eifer den Youcat in portugiesischer Sprache.

„Glaube und Leben gehören hier in Brasilien viel stärker zusammen, als bei uns in Deutschland",schildert Felix in einer Pause des Treffens. Maria, eine Jugendliche aus der Pfarrei Faro meint nachdenklich: „Dann können die jungen Leute aus unserer neuen Partnerdiözese in Deutschland vielleicht auch noch etwas von unserem Glauben in Brasilien lernen."

Christiane Hetterich

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